„Baden im Glück“ lautet der Werbeslogan eines Casinos, das zwar durchaus in Baden steht, aber durchwegs von Zürchern besucht wird.
„Schweinegrippe“ lautet der Name des neuesten Globalisierungsproduktes, welches ebe(r)nfalls den Luftweg in unser beschauliches Bäderstädtchen gefunden hat. Schweine sollen davon nicht betroffen sein. Schwein gehabt.
„Bildungskleeblatt“ lautet der Name der aargauischen Bildungsreform, welche uns gleich vierfaches Bildungs-Glück verheisst, bei der aber keine Sau wirklich weiss, worum es geht. Saumässig präsent ist nur die SVP, unsere neue Bildungspartei, welche, wie könnte es auch anders sein, auch gleich den Bildungsdirektor stellt. Der ist tatsächlich ein armes Schwein, denn er sollte durchboxen, was seine eigene Partei als Bildungskaktus verunglimpft. Mit viel Polemik, mit schweineteuren Plakat- und Briefkastenkampagnen will sie die Reformen verhindern. Sie verschweingt dabei, dass jede Reform in erster Linie sauteuer ist. Der wahre und einzige Grund, dass sie dagegen ankämpft wie ein wildgewordener Eber. Eine Sauerei ist das.
Wer von so viel Glück umgeben ist, sollte sich des Lebens freuen. Aber heute ist 1. Mai. Da möchten wir gerne protestieren. Doch die Welt hat sich ins Gegenteil verkehrt. Rechts aussen ist die Sau los, gehen Partys ab. Die Sozialisten im Städchen braten derweil Schweinsbratwürste, spielen Heimatlieder im Bierzelt und stellen sich auch sonst recht bieder an. Die Bildungsreform ist ihnen gerade mal 200 Plakate wert, einen Monat nachdem ihr die SVP den Kaktus in den Garten gesetzt hat. Ein Althippie, schmutzig wie ein Ferkel, verteilt Ansteckknöpfe und grunzt ein unfreundliches Danke.
Da sind mir die Linksautonomen lieber, auch wenn sie randalieren wie Wildsäue. Wenigstens läuft da was.
Die richtige Garderobe liefert die H1N1- Pandemie gleich mit.
Archiv für Aus der Schulstube geplaudert
Selten soviel Schwein gehabt!
xSÜNDEr an Equinox: FAST EiN TAGEBUCH 10
20. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 29 kg
Zum leiblichen Wohl: Scheussliches Grünzeugs
Zur Leibesertüchtigung: 15 Minuten auf dem Rücken gelegen wie Gregor Samsa. Die Sit-ups wollten einfach nicht kommen.
Sünden: Siehe Leibesertüchtigung
21. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 28,5 kg
Zum leiblichen Wohl: Salat und Rüeblisuppe
Zur Leibesertüchtigung: Kampfschlitteln gegen meine Schüler. Natürlich habe ich gewonnen. Manchmal sind 28 Kilo zuviel eben gerade richtig. Der Gravitationskraft sei Dank!
Sünden: Die Bedienung im Bergrestaurant meinte es durchaus ernst, als sie mir höflich rahm-freie Rüeblirahmsuppe und saucen-losen Salat anbot. Sie konnte gewiss nichts dafür, dass „rahm-frei“ einfach „ohne 1/4-Liter Schlagrahm obendrauf, aber mit viel ungeschlagenem Rahm drin“ bedeutet und dass die beiden hübsch gestalteten Gwürzflaschen (V= Vinaigre, O =Oel?) falsch beschriftet waren. So kriegte ich für einmal Fett satt, statt mein Fett weg.
22. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 28kg
Zum leiblichen Wohl: Garantiert rahmfreie Gemüsepappesuppe
Zur Leibesertüchtigung: Der Muskelkater miaute mir kläglich aus dem Hintern und verbot mir jeglichen Sport
Sünden: Statt mein Referat vorzubereiten, bestritt ich Privatfernsehsender-Sendungen
23. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 27,5kg
Zum leiblichen Wohl: Zur Feier des Tages und weil ich meiner Nase und Blase etwas bittere Kost gönnen wollte, gab es Spargeln mit Magerjoghurt-Sauce. Himmlisch. Höllisch hingegen der Gestank beim Urin-Ausschank …
Zur Leibesertüchtigung: Wieder meinen Drahtesel geritten
Sünden: Siehe Leibesertüchtigung, ersetze „Draht“ mit „Bärtigen“ (der ist übrigens auch drahtig, der Bart des Bärtigen und der Bärtige selbst wird immer drahtiger. Es fastet fast mit. Nur fast). Eigentlich bin ich eine gute Katholikin.
24. Tag
Tagesbilanz:
Zu viel Speck am Leib: 27kg
Zum leiblichen Wohl: Keine Zeit, nur Coca light
Zur Leibesertüchtigung: Hin mit dem Velo, rein in die Uni, Referat gehalten, raus aus der Uni, zurück mit Velo, hin mit Velo, Hauptprobe, zurück mit Velo, hin mit Velo, rauf auf die Bühne, ruter von der Bühne, zurück mit Velo
Sünden: Ein Danemann-Sweet Stümpli. I didn’t inhale. Und stolz war ich, eitel. Totsünde
Pattis Adventskalender 24: Stille Nacht

Stille Nacht, Heilige Nacht
Gottes Sohn, oh wie lacht!
Die Weisen haben Geschenke gemacht.
Die Hirten haben ein Ständchen gebracht.
Das Christuskind kriegt gar viel,
nur nicht das, was es will!
Stille Nacht, Heilige Nacht
Der erste Weise hat Myrrhe gebracht.
„Sorry, Weiser, was soll denn der Scheiss?
Warum bringst du mir keinen Gen-Technik-Mais?
Der nach der Verdauung im Leib
noch locker die Autos antreibt?“
Stille Nacht, Heilige Nacht
Der zweite Weise hat Weihrauch gebracht.
„Sag mir, dachtest du etwas dabei?
Rauch ist out und bringt nur CO2!
Steht dir nach Drogen der Sinn,
Bring mir doch ein Ritalin!“
Stille Nacht, Heilige Nacht
Der dritte Weise hat Gold ihm gebracht.
„Bei euch ist Verarschung wohl mit im Programm?
Das sind doch höchstens zwei, drei Kilogramm!
Die Grossbank kriegt in dieser Stund’
60 Milliarden vom Bund!“
.
Stille Nacht, Heilige Nacht
Ach, was haben wir gelacht!
Die Verslein sind nun zu Ende gebracht.
Wir sagen bye bye zu 2008.
Ich werde euch wieder erfreun’
Im Jahre 2009!
.
.
Allen fleissigen Blog-LeserInnen danke ich für die Treue, wünsche euch schöne Feiertage und einen guten Start im nächsten Jahr. Übrigens sind tränenschwere oder stressreiche Familienfeste meist ein Hort von Realsatire. Da braucht es mich gar nicht. Dazu gehören auch romantische Sprüche zum Jahreswechsel, wie die vom Bärtigen. Das ist aber eine andere Geschichte, welche im neune Jahre erzählt wird.
Alles Liebe
Patti on Tour
Pattis Adventskalender 22: Liebes Christkind II
(Im Magazin des Tages-Anzeigers gibt es jeweils eine Kolumne über eine bekannte Persönlichkeit, welche aufzählt, was sie mag und was sie nicht mag. Die Beiträge lesen sich wie Wunschzettel ans Christkind. Und ganau dazu haben sie mich inspiriert. Gestern: Was ich mir wünsche)
2. Was ich mir NICHT wünsche:
Dass all meine Träume sich erfüllen,
dass wir weiter die Welt zumüllen,
dass Raser hinter Rasern rasen,
dass Kühe nicht mehr draussen grasen,
dass ich ein kleines Haustier kriege,
(pro Haushalt reicht schon eine Ziege)
dass Angst und Panik uns anleiten,
dass wir verlernen, uns zu streiten.
Ich wünsch mir nicht, dass Kinder leiden,
dass wir uns nur noch modisch kleiden,
dass wir nur noch englisch sprechen,
dass wir die Versprechen brechen,
dass uns ein Minarettchen stresst,
dass mich der Bärtige verlässt,
dass wir uns ein Auto kaufen,
dass sich Kinder nicht mehr raufen,
dass alles immer schneller geht,
dass man die ganze Welt versteht,
dass Raucher böse Menschen sind,
dass man schon alles darf als Kind,
dass immer nur die Stärkeren siegen,
dass schwarze Schafe Tritte kriegen,
dass meine Kurven tiefer hängen,
dass Unbegabte nicht mehr sängen,
dass man nur mit Erdöl feuert,
dass man die Welt mit Schwänzen steuert,
dass mein Körper expandiert,
dass die Wirtschaft ganz stagniert,
dass die AHV versagt,
dass man mir nur Nettes sagt,
und Rückenschmerzen, Rheuma, Gicht,
wünsch ich mir vom Christkind nicht.
Pattis Adventskalender 21: Liebes Christkind I
(Im Magazin des Tages-Anzeigers gibt es jeweils eine Kolumne über eine bekannte Persönlichkeit, welche aufzählt, was sie mag und was sie nicht mag. Die Beiträge lesen sich wie Wunschzettel ans Christkind. Und ganau dazu haben sie mich inspiriert. Morgen: Was ich mir nicht wünsche)
1. Was ich mir wünsche:
Ich wünsch mir, dass ich weiter schreibe,
dass das W-Lan des Nachbarn offen bleibe!
Ich wünsch mir Spass bei jeder Paarung
und eine Laser-Bart-Enthaarung.
Ich wünsch mir von den Schülern Ruhe,
für Reste eine Tiefkühltruhe,
‘ne Digi-Cam zum Filmchen Drehen,
Digi-TV zum Filmchen Sehen.
Ich wünsche mir mehr Sachverstand
beim Stimmenfang in unserm Land.
Ich wünsch mir, dass Mörgeli bald wieder tanzt,
und dass der Ueli gut konkordanzt,
dass die Banker aus Krisen lernen,
sich Putzfrau und Big Boss nicht zu weit entfernen,
dass Eltern die Kinder wirklich erziehen,
dass sie die Konflikt nicht einfach fliehen.
Ich wünsch mir zu fressen, ohne zu feissen,
und nach meiner Heirat noch gleich zu heissen.
Ich wünsch mir Räbebappe mit Speck,
einen Putzmann für den Dreck,
eine feucht-fröhliche Stille Nacht.
Ich wünsch mir mehr Frauen an der Macht.
Ich wünsch mir, dass Männer die Kinder gebören,
und monatlich Blut unter Schmerzen verlören.
Und meiner Freundin wünsch ich viel Kraft,
während der umständlichen Schwangerschaft.
Ich wünsche mir mehr Wärme, bloss
ohne CO2-Austsoss.
Ich wish Obama, that he can.
Ich wünsch mir ein eigens Wireless-Lan.
Ich wünsch mir, dass vieles so bleibt, wie es ist,
dass es mehr schneit und weniger pisst,
dass HarmoS wirklich harmonisiert,
dass Intergration integriert,
dass der Bärtige bald doktoriert,
dass mein Blog Leser generiert,
dass uns kein schlimmes Unglück passiert,
dass der Staat nicht zu wenig Steuern kassiert,
dass man die Managerlöhne halbiert,
dass Lara Gut weiterhin gut trainiert
und dass alles läuft wie geschmiert.
Und nach dem Stress ein kühles Bier,
Liebes Christkind, das wünsche ich mir.
Pattis Adventskalender 12: Weihnachtszeit

Oh, Weihnachtszeit, du stille Zeit,
Die Welt erstrahlt im Winterkleid.
Natur und Tiere dürfen ruhn,
Und auch ich hab nichts zu tun.
Ausser E-Mails zu verschicken,
Mich durch meinen Blog zu klicken,
Jeden Tag ein Verslein dichten
Live vom Bundeshaus berichten,
Blog der Schüler zu verwalten
täglich dort ein Verslein schalten,
Blindschreiben wäre opportun …
Doch ich hab ja nichts zu tun.
Ausser kochen für die Lehrer,
Schuften für die Geldvermehrer,
Elten wollen mit mir sprechen,
Schüler sich für Noten rächen,
Dann der Lehrerinnen-Treff,
Das Personalgespräch mit Chef,
Jugendliche unterrichten,
Und dann noch die Gottipflichten.
Wenn ich’s vergegenwärtige,
So schenkt mir gar der Bärtige,
(Ganz generös kann er verzichten)
Zu Gotti- auch noch Göttipflichten.
Dann das Fest für die Verwandten.
Gestorben sind schon viele Tanten
Auch lichten sich die Onkel-Reihen.
Zum Glück. Ihr werdet’s mir verzeihen…
Putzen, Waschen, Korrigieren,
Beine, Achseln, Bauch rasieren,
Voll Blut und Schweiss, da steh ich nun
Doch ich habe nichts zu tun.
Ausser Feste organisieren
Nur die Nerven nicht verlieren,
Gschänkli und Präsente posten,
S’ soll gut aussehn, doch nichts kosten,
Guetsli, Playmobil und Seifen,
Rüeblitorte, Winterreifen,
Teddybär und Gummihuhn,
Ach, ich hab ja nichts zu tun.
Ausser Uni-Referate,
Bibliographie-Zitate,
Prüfungen, Semesterende
Pestalozzi, 14 Bände,
Pocock, Austin, Thomas Kuhn,
Nein. Ich habe nichts zu tun.
Ausser Wohnug dekorieren
Pflanzen, Fenster, Wand verzieren
Kugeln splittern, Glas kaputt
Maria in der Krippe blutt!
Adventskranz brennt,
Es schwärzt der Russ!
Ich hab verpennt,
Verpass den Bus!
Schnee und Eis,
Es rinnt der Schweiss,
Ich bräuchte dringend Zeit zum Ruhn.
Leckt mich, ihr könnt es selber tun!
Pattis Adventskalender 8: Mörgeli, es wird was geben
(Zur Melodie: Morgen, Kinder, wird’s was geben)
Morgen, Kinder, wird’s was geben:
Morgen kommt der PISA-Test.
Lernen, büffeln, pauken, streben,
Ja, es wird ein Bildungs-Fest!
Seid schön brav und niemals frech!
Seid ihr Zürcher, habt ihr Pech!
Denn die Zürcher sind nicht helle,
PISA zeigt’s der Nation.
Doch ich sag an dieser Stelle:
Wir im Aargau wussten’s schon!
Wer viel schnurret, das steht fest,
kommt in Not beim schriftlichen Test.
Mörgeli, es wird was geben.
Wie geht deine Strategie?
Lässt du HarmoS endlich leben?
Zeit wär’s! Lieber spät als nie!
Oder ziehst du, s’wär nicht dumm,
lieber nach Schaffhausen um?
Süsser die Glocken nie klingen
als auf dem Munots-Berg.
Hört ihr die Presse schon singen?
Schweigt nun der Herrlibergs-Zwerg?
Post von Patti: Liebe SVP
Liebe SVP
Du bist die erste Partei, von welcher ich mich verstanden fühle. In deinen Reihen bin ich Mensch, hier kann ich’s sein! Denn „Der Mensch zählt“. So heisst zumindest dein neuestes Presseorgan. Eine eigentliche Eltern-Zeitschrift. Der Säugling auf dem Titelbild, welcher knapp 4 Monate zählt und bestimmt noch nicht sprechen kann, fragt dennoch: „Muss ich schon mit vier Jahren in die Schule?“
Genau das muss der kleine Stinker. Den Machern dieser Zeitung hätte etwas mehr Schulbildung auch nicht geschadet! Mit einer Wahrscheinlichkeit von 87% wird der Kleine ohnehin mit 4 ½ Jahren von seinen Eltern in den Kindergarten geschickt, der faktisch einer Basisstufe entspricht. HarmoS hin oder her. Sofern es sich jedoch wirklich um Rabeneltern handelt, stecken sie ihn bereits mit wenigen Monaten in den Hort, zur Tagesmutter, in die Krippe oder gar in die Spielgruppe. Im schlimmsten Fall lernt er dort sogar anständig deutsch zu sprechen und sich sozial zu integrieren. Was natürlich ein Jammer wäre. Denn du, liebe SVP willst, dass „Fremdsprachige Kinder zu allererst Deutsch lernen, bevor sie in die Klasse integriert werden“.
Von wem sollen sie denn Deutsch lernen, wenn sie nicht mit Schweizer Kindern in der Klasse sitzen dürfen? Dass Integrations- und Sprachlernprozesse untrennbar miteinander verknüpft sind und bestenfalls bereits vor dem 4. Altersjahr beginnen, ist ..hmm.. wahrscheinlich .. HarmoS-Kuschelpädagogik. Und daran Schuld sind die 68er.
Allerdings werden immer wieder rüstige Senioren gesucht, Alt-68er, welche den fehlenden Opa ersetzen und als Klassenhilfe im Unterricht assistieren. Die lieben Kleinen sozialisieren. Das beginnt bei der Sprache und endet beim korrekten Gebrauch des StGw 91. Das wär doch ein Job für Christoph. Oder für den armen Sämi, den die etwas grösseren Kinder in Politik und Armee spitalreif gemacht haben.
Weshalb ich die SVP als neue Partei für mich entdeckt habe? Nun, ich bin eine Bauerntochter, dies allein würde mich schon ausreichend qualifizieren. Zudem bin ich Sekundarlehrerin, studiere Erziehungswissenschaften, Soziologie und Kriminologie. Die Kernthemen der SVP, wenn man eurem Aargauer Hetzblättchen Glauben schenken darf.
- Erziehung
(Glaub mir, ich wär auch froh, wenn das die Schule nicht übernehmen müsste. Erziehung ist Sache der Eltern. Nur machen die es leider schon lange nicht mehr. Die ungezogensten Schüler waren bei mir übrigens nicht die Ausländer, sondern die Böhsen Patrioten und die Tells Söhne mit SVP-Vätern.)
- Sicherheit
(„Familienväter können nicht mehr mit ihren Kindern an den Fussballmatch gehen.“ Wie tragisch! Dann sollen halt die Mütter gehn. Nach 8 Uhr gehören Kinder sowieso ins Bett!)
- Sozialwerke
(Wisst ihr überhaupt, was das ist?)
- Zuwanderung
(Damit meint ihr doch wohl vor allem die Zuwanderung zu eurer Partei.)
Ach ja, liebe SVP, ich würde gerne innerhalb eurer Partei mitreden bei diesen Themen. Ich wüsste sogar, wovon ich spreche.
Mit wärmsten Empfehlungen
Patti_on_School
Post von Patti: Liebe Emos
Jahrelang haben wir Pädagogen, Psychologinnen, Lehrer und Sozialarbeiterinnen für mehr Emotionen und Gefühle, für Kuschelpädagogik und diskursive Konfliktlösung gekämpft. Wir haben nackt im Regen unsere Aggressionen weggetanzt und unsere Wut aus dem Beckenboden ausgeatmet. Wir meditierten händchenhaltend und streichelten im Kollektiv negative Empfindungen weg. Wir appellierten im Musenalpexpress poetisch für das Recht des Mannes auf Schminke und das Recht der Frau auf spontane Depression.
Doch kaum sind wir durch PISA und Sylvia Blocher wieder zur autoritären Erziehung zurückgekehrt, kommt ihr mit so einer neuen Jugendbewegung daher und wollt alles besser machen. Mehr Emotionen, mehr Adrogynie, mehr Individualismus. Natürlich habt ihr auch eure eigene Jugendsprache. Die Zeiten von mega giga geil, krass konkret cool und voll easy sind endgültig vorbei. Das ist euch zu gönnen und mich freut’s auch schaurig.
Es gibt jedoch ein Tabu, das in Zeiten der internationalen Bildungsstandards nicht gebrochen werden dürfte: Die Vergewaltigung der Orthographie. Für Sprachpuristen ist dies überhaupt die allergrösste Sünde, und ihre Verusrsacher sind des Teufels!
Man shrayBt nun mal aynfaCh nicht zo! Auch niiijihicHT so, iiim fAll! oooder vlt zogar soHoo uund daz one die gaanzen shönen satzzaiKen die mir AiinfaAch fehlen zum besseren verständnijHiis.
Soziolinguisten haben sicher ihre wahre Freude dran. Doch bis die eure Sprache entdeckt haben, gibt es sie (wahrshainlich vlt) nicht mehr.
Im schlimmsten Fall bleibt uns Alten ja noch Grüfnisch oder alternativ die Spick-Geheimschrift.
Enefich wenefuenefensch Enefeenefuch enefallenefes Genefutenefe. Zsxexy Xiyzdn Ety txyzy xueyx Inyxan deyr!
Mit emotionalen Grüssen
Patti_on_pur
Allegorien auf Allergien
Ich steck die bunte Kapsel in die Maschine und stelle mir beim Zudrücken vor, dass ich George Clooneys Eier zerquetsche. Oh nein, Mist, der hat ja gar keine Eier.
Als ich mir eben etwas Milch in die Tasse giessen will, hechtet meine Lehrerkollegin zur Tür herein, entreisst mir die Milch und landet mit einer perfekten Rolle auf dem Boden, ohne einen Tropfen zu verschütten. „Uiuiuiui! Haaaaalt!! Grad noch mal mega Glück gehabt. Das ist MEINE Milch. LAKTOSEFREI! Ich bin eben voll allergisch. Echt. Darf keine Milch trinken.“ – „Aber es hat keine andere mehr.“ – „Sorry, ich kann dir keine von meiner abgeben. Das musst du verstehen. Ich darf ja auch keinen Schluck von eurer Milch trinken. Sonst krieg ich voll mega Bauchweh. Echt.“
….
Gleicher Schauplatz. Zwei Stunden später. Es liegen noch genau zwei Täfeli meiner Lieblingsschoggi im Lehrerzimmer. Bevor ich mir etwas davon genehmige, entfalte ich die zerknüllte Packung: „MILCHSCHOKOLADE mit HASELNÜSSEN. Allergikerinfo: Achtung kann Spuren von Milch und Haselnüssen enthalten.“ Ah ja? Danke für die Info.
Kaum entferne ich die Packung aus meinem Gesichtsfeld offenbart sich mir das kauende Grinse-Antlitz meiner laktose-allergischen Kollegin. Die Schokolade ist verschwunden. „Aber…“ – „Ach ja“ unterbricht sie mich „weisst du, manchmal will ich mir voll auch was gönnen. Ist schon mega-mühsam das Allergikerleben. Diese Ausnahme habe ich mir voll verdient. Echt.“
……
Sitzung. „Nein, ihr wisst ja, ich bin mega allergisch gegen all die Pollen. Ich kann auf keinen Fall das Wander-Lager mitmachen. Und dann die Idee mit dem Bauernhof, Schlafen im Heu, Milch trinken. Wär ja mega cool. Ich habe aber voll Heuschnuppen und Laktose-Allergie. Ich wüd’ ja gerne mitkommen. Es ist für mich voll mega-mühsam. Es würde daher ja auch voll keinen Sinn machen, wenn ich bei der Organisation helfen würde. Rekognoszieren kann ich halt auch nicht. Mega schade. Die doofe Allergie. Ich bleib dann einfach zu Hause.“ sagt es und schlürft ihren laktose-freien Kaffee, derweil wir den unseren schwarz trinken müssen.
….
Es regnet. Es schüttet. Sie ist im Klassenlager, weil ihr die Pollen ja nichts anhaben können bei diesem Wetter. Schlafen darf sie auf der Weide im Zelt, damit sie nicht in den bösen Heustock muss. Ich sitz gemütlich zu Hause, mäste mich mit Milchschokolade und freu mich über meine leichte Erkältung, die es mir einfach voll mega-unmöglich macht in diesem Regen zu wandern. Echt.
