33 und kein bisschen originell

Ich habe eine Identitätskrise. Einfache Gemüter würden dies natürlich sofort mit meinem nahenden 33sten Geburtstag in Verbindung bringen, welcher am Muttertag stattfindet, ausgrechnet, und die biologische Uhr tickt etwas lauter an solchen Tagen.
Doch das ist nicht der Grund. 33 Jahre lebte ich im Glauben originell zu sein. Um jetzt einsehen zu müssen, dass ich eine billige Kopie bin. Oder noch schlimmer, dass ich kopiert werde. Unwissentlich natürlich, denn woher sollten sie mich kennen, all jene, die es gleich, aber irgendwie doch besser zu machen scheinen?
Michèle Roeten, hervorragende Kolumnistin, drischt dreist in dieselbe Bresche wie ich. Wie oft schon setzte ich mich an mein Laptop mit einer wunderbaren Idee, surfte aber noch kurz durch’s Magi, und da sah ich ihren Text. Sie hatte mir frech mein Thema geklaut und damit auch noch Erfolge verbucht. Immehin verrät sie in ihrer Kolumne, dass sie eine Schaffenskrise bei ihrer Liz-Arbeit habe. Sie, die immerhin dieselben Nebenfächer an derselben Uni studiert wie ich. Recht geschieht ihr. Hoffentlich kann sie in Bälde auch keine Kolumnen mehr schreiben.

Dann wäre da Max Küng, der andere Magi-Kolumnist. Etwas verschroben, aber liebenswert. Macht gerade mal eine 5-Tägige Fastenkur und schreibt drüber einen Artikel, als ob’s ein Wunder sei. Klaut mir meine Terminologie von wegen Fastenopfer. Phah! Mit meinen 40 Tagen kann er nicht mithalten. Ich dafür mit seinen 40 000 Lesern nicht.
Immerhin bin ich doch herkunftsmässig ein Originl. Eine Bauerntochter. Ein Landei. Wie beispielsweise Mona Vetsch. Oder Renzo Blumenthal.  Sogar diese Nische ist also bereits besetzt.

Meine übergewichtige Behäbigkeit kann ich auch nicht ausspielen.  Mike Müller macht das weit besser. Oder die Cindy von weiss ich nicht wo, die mit künstlichem Fettgewand und plattem Humor ein Olympiastadion zum Brodeln bringen kann.  Mit tatkräftiger Unterstützung von deutschen Privatsendern.

Wenigstens beim Cabaret könnte ich auftrumpfen. Als schrullige Professorin oder verklemmte Hausfrau. Aber ach: Alles schon gehabt. Acapickles und Duo Fischbach sind auch langsam vorbeit. Und was Slam Poetry angeht: In Szene-Kreisen wird sie bereits zu Grabe getragen und dieBadener haben einen Publikums-Preis-Poeten. Auf mich haben sie nicht gewartet.

Nun schreibe ich also weiterhin meine wenig beachteten Blogposts, moderiere Blasmusikkonzerte in Hinterpfupfiken und jammere über verpasste Chancen.

Vielleicht sollte ich doch ein Kind machen. Das ist zwar auch nicht sonderlich originell, aber zumindest kopiergeschützt. Ich frag mal den Bärtigen, was er dazu meint.


3 Antworten bis jetzt »

  1. 1

    Robinson sagte,

    Gerade WEIL du noch nicht bei Max Küngs 40′000 Lesern angelangt bist, macht Dich das doch irgendwie zu einem Geheimtipp und folglich originell. Finde ich jedenfalls.

  2. 2

    patti_on_tour sagte,

    solche kommentare dürfte es öfter geben …

  3. 3

    Thomas E. aus R bei B; z.Zt. in LV NV in US of A sagte,

    Ja, frag mal den Bärtigen. Deine Idee kannst Du gleich in Geschenkpapier einpacken. Das wird eine Überraschung…
    Übrigens fängt mit 33 (66 durch zwei dividiert) Jahren das Leben zur Hälfte an; wenn ich den Song von Udo Jürgens richtig interpretiere.
    Auf jeden Fall kommt mit Deinem Geschenk horizontale und/oder vertikale Stimmung in die Bude. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten un(d)originellen Blog.


Kommentar-RSS · TrackBack URI

Sags in Deinen Worten.