09/05/2009
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Ich habe eine Identitätskrise. Einfache Gemüter würden dies natürlich sofort mit meinem nahenden 33sten Geburtstag in Verbindung bringen, welcher am Muttertag stattfindet, ausgrechnet, und die biologische Uhr tickt etwas lauter an solchen Tagen.
Doch das ist nicht der Grund. 33 Jahre lebte ich im Glauben originell zu sein. Um jetzt einsehen zu müssen, dass ich eine billige Kopie bin. Oder noch schlimmer, dass ich kopiert werde. Unwissentlich natürlich, denn woher sollten sie mich kennen, all jene, die es gleich, aber irgendwie doch besser zu machen scheinen?
Michèle Roeten, hervorragende Kolumnistin, drischt dreist in dieselbe Bresche wie ich. Wie oft schon setzte ich mich an mein Laptop mit einer wunderbaren Idee, surfte aber noch kurz durch’s Magi, und da sah ich ihren Text. Sie hatte mir frech mein Thema geklaut und damit auch noch Erfolge verbucht. Immehin verrät sie in ihrer Kolumne, dass sie eine Schaffenskrise bei ihrer Liz-Arbeit habe. Sie, die immerhin dieselben Nebenfächer an derselben Uni studiert wie ich. Recht geschieht ihr. Hoffentlich kann sie in Bälde auch keine Kolumnen mehr schreiben.
Dann wäre da Max Küng, der andere Magi-Kolumnist. Etwas verschroben, aber liebenswert. Macht gerade mal eine 5-Tägige Fastenkur und schreibt drüber einen Artikel, als ob’s ein Wunder sei. Klaut mir meine Terminologie von wegen Fastenopfer. Phah! Mit meinen 40 Tagen kann er nicht mithalten. Ich dafür mit seinen 40 000 Lesern nicht.
Immerhin bin ich doch herkunftsmässig ein Originl. Eine Bauerntochter. Ein Landei. Wie beispielsweise Mona Vetsch. Oder Renzo Blumenthal. Sogar diese Nische ist also bereits besetzt.
Meine übergewichtige Behäbigkeit kann ich auch nicht ausspielen. Mike Müller macht das weit besser. Oder die Cindy von weiss ich nicht wo, die mit künstlichem Fettgewand und plattem Humor ein Olympiastadion zum Brodeln bringen kann. Mit tatkräftiger Unterstützung von deutschen Privatsendern.
Wenigstens beim Cabaret könnte ich auftrumpfen. Als schrullige Professorin oder verklemmte Hausfrau. Aber ach: Alles schon gehabt. Acapickles und Duo Fischbach sind auch langsam vorbeit. Und was Slam Poetry angeht: In Szene-Kreisen wird sie bereits zu Grabe getragen und dieBadener haben einen Publikums-Preis-Poeten. Auf mich haben sie nicht gewartet.
Nun schreibe ich also weiterhin meine wenig beachteten Blogposts, moderiere Blasmusikkonzerte in Hinterpfupfiken und jammere über verpasste Chancen.
Vielleicht sollte ich doch ein Kind machen. Das ist zwar auch nicht sonderlich originell, aber zumindest kopiergeschützt. Ich frag mal den Bärtigen, was er dazu meint.
07/05/2009
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Manche Frauen lassen sich eine künstliche Kupferspirale in die Gebärmutter setzten.
Andere tragen einen natürlichen Seismographen in der Harnblase.
Die spürens im Urin(-stinkt).
Zumindest beim Beben.
Eben.
05/05/2009
· Gespeichert unter Pattis Alltag & Realsatire, Uncategorized · Tagged 05. 05. 09, Aargau, Baden, Epizentrum, Erdbeben, Richterskala, satire, Schweiz
03.55
Ich bin nicht übermässig abergläubisch. Die einzige übersinnliche Erscheinung, an die ich glaube, bin ich selbst. Denn ich spüre Erdbeben voraus. Nicht oft, denn ich erlebte noch nicht viele. Nicht oft, aber jedes Mal wenn’s bebte in meiner Nähe. Nicht wetterfrosch-schmöckerisch, wie die vom Muotatal.
Ubewusst. Unterbewusst. Lustig eigentlich, dass Unterbewusstsein und Übersinnlichkeit, ein verbales Gegensatzpaar sondergleichen, sich so sonderbar nahe stehen.
Fräulein Pattis Gespür für Erdbeben äussrt sich ganz und gar undramatisch. Es hat dieselben Symptome wie exzessiver Kaffeekonsum. Schlaflosigkeit, erhöhter Puls, Wachträume von der verpassten Kabarett-Karriere wegen verspäteter Eingabe eines Kulturprojekts bei der Komission. In dieser Phase ahne ich noch nichts.
Doch dann kommts. Der Herzschlag tanzt Chachaccha. In den Zehen beginnt ein seltsames Kribbln, welches sich über den Unterleib bis zu den Haarwurzeln ausbreitet. In diesem Moment weiss ich es: Es wird ein Erdbeben geben. Und ich warte darauf, sehne, rufe, erbettle es herbei, damit es schnell vorüber gehen möge, denn man weiss ja nie, und Italien ist nicht weit, und sogar in der Schweiz sind die Häuser nicht für die Ewigkeit gebaut. Einige Sekunden später rollt das Grollen heran, der Boden unter den Füssen wird mir weggezogen, die Erde rüttelt und schüttelt sich, ich zittere wie Espenlaub, mein Puls rast. Stärke 3, Richterskala. Das Jüngste Gericht.
Vorbei.
Überlebt.
Die Welt leidet an Parkinson. Und epizentrisch, wie ich bin, bilde ich mir ein, (mit-) schuld daran zu sein.
01/05/2009
· Gespeichert unter Aus der Schulstube geplaudert, Pattis Alltag & Realsatire, Politik & Pattis Presseschau · Tagged 1.Mai, Aargau, Baden, Bildungskleeblatt, H1N1, Schweinegrippe, SP, SVP
„Baden im Glück“ lautet der Werbeslogan eines Casinos, das zwar durchaus in Baden steht, aber durchwegs von Zürchern besucht wird.
„Schweinegrippe“ lautet der Name des neuesten Globalisierungsproduktes, welches ebe(r)nfalls den Luftweg in unser beschauliches Bäderstädtchen gefunden hat. Schweine sollen davon nicht betroffen sein. Schwein gehabt.
„Bildungskleeblatt“ lautet der Name der aargauischen Bildungsreform, welche uns gleich vierfaches Bildungs-Glück verheisst, bei der aber keine Sau wirklich weiss, worum es geht. Saumässig präsent ist nur die SVP, unsere neue Bildungspartei, welche, wie könnte es auch anders sein, auch gleich den Bildungsdirektor stellt. Der ist tatsächlich ein armes Schwein, denn er sollte durchboxen, was seine eigene Partei als Bildungskaktus verunglimpft. Mit viel Polemik, mit schweineteuren Plakat- und Briefkastenkampagnen will sie die Reformen verhindern. Sie verschweingt dabei, dass jede Reform in erster Linie sauteuer ist. Der wahre und einzige Grund, dass sie dagegen ankämpft wie ein wildgewordener Eber. Eine Sauerei ist das.
Wer von so viel Glück umgeben ist, sollte sich des Lebens freuen. Aber heute ist 1. Mai. Da möchten wir gerne protestieren. Doch die Welt hat sich ins Gegenteil verkehrt. Rechts aussen ist die Sau los, gehen Partys ab. Die Sozialisten im Städchen braten derweil Schweinsbratwürste, spielen Heimatlieder im Bierzelt und stellen sich auch sonst recht bieder an. Die Bildungsreform ist ihnen gerade mal 200 Plakate wert, einen Monat nachdem ihr die SVP den Kaktus in den Garten gesetzt hat. Ein Althippie, schmutzig wie ein Ferkel, verteilt Ansteckknöpfe und grunzt ein unfreundliches Danke.
Da sind mir die Linksautonomen lieber, auch wenn sie randalieren wie Wildsäue. Wenigstens läuft da was.
Die richtige Garderobe liefert die H1N1- Pandemie gleich mit.
Vermummt euch! Im Namen des Schwarzen Blocks! Im Namen der Kapitalisten- und Kommunistenschweine! Im Namen Allahs und der Schweinefleischabstinenzler! Im Namen der Globalisierung!
Und wer Schwein hat, bleibt von allem Genannten verschont.
Viel Glück!