Postnatale Depressionen ereilen frischgebackene Mütter kurz nach der Niederkunft. Auch ich wurde eben entbunden. Nicht von einem Kind, aber von einer Liz-Prüfungsphase, die länger als eine Schwangerschaft und fast so schmerzhaft wie eine Zangengeburt war. Bezeichnen wir es als Kopfgeburt mit Steisslage.
Das Tragische: Es handelt sich noch nicht mal um meine eigenen Prüfungen. Der Bärtige hatte heute seine letzte Mündliche. Nun, das muss gefeiert werden.
Ich kochte ihm also Blaukraut mit Zitronenpfeffernudeln auf einem Zwiebelbett, dazu Äpfelschnitze und Rauchwürste. Er mags eben deftig.
Kaum war er zu Hause stürtze er sich in seinen Tarnanzug, schnallte die GTE (für Nicht-Dienstleister: so eine Art Gstältli mit vielen nützlichen Gadgets wie Pistole, irgendwelchen geheimnissvollen Behältern und sonstigem Ramsch) um, schlang das Essen hinunter, salutierte und verschwand per SBB irgendwo in die Berge.
Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Was macht man nicht alles für die Schweiz …
Und nun sitz ich hier. Nach langen Monaten mit Fernsehverbot, keiner Ausgangs-, aber zumindest Einladungssperre, Sexentzug und möglichst wenig unbelasteter Zweisamkeit hock ich zu Hause und sehe mich schon wieder nur mit mir selber konfrontiert.
Voraussichtlich hat der Bärtige Cum Laude abgeschlossen. Nachdem in meiner Familie jemand mit mit Magna Cum Laude, ein anderer mit absoluten Bestnoten und sehr schnell drauffolgendem Doktortitel und ein weiterer als Jahrgangsbester an der ETH (dotiert mit 5000.-) das Studium beendet hat.
Scheisse. Man kann sich nicht vorstellen, wie viel Druck das aufbaut. Es wäre ja geradezu peinlich, wenn ich nun so knapp genügend durchs Studium schlittern würde.
Ich reservier schon mal die Prüfungstermine im Sommer 2015. Bis dahin darf ich noch mit Liz abschliessen. Und schneller schaff ich ein Summa Cum Laude auf keinen Fall.