Archiv für Oktober, 2008

Schneewittchen

Die schönste aller Frauen. Weiss wie Schnee. Rot wie Blut.
Und ich? Bin ich eine Frau? So eine richtige? Fragte ich mich, als ich heute morgen meine schweren Wanderschuhe zuschnürte, welche weniger Sexappeal haben als die hässliche Wetterhexe, welche Schneewittchen den Garaus machen will.

- Ich habe noch nie Stilettos getragen, geschweige denn welche gekauft.
- Ich besitze weniger als vier Paar tragbare Schuhe.
- Ich wurde noch nie für mehr als 20 Franken frisiert und dies auch erst fünf Mal im Leben.
- Ich brauche am Morgen fünf Minuten im Bad: drei fürs Anziehen, zwei fürs Zähneputzen.
- Ich habe noch nie gebügelt.
- Ich weiss nicht, wie man die Waschmaschine bedient.
- Ich habe mir noch keine Folge von Sex and the City und Desperate Housewifes angeschaut.
- Männer mit Muskeln gefallen mir nicht besonders.
- Kinder find ich erst so richtig spannend, wenn sie in der Pubertät sind.
- Ich hasse Shoppen. Es sei denn mit SCH und enthalte Hopfen und Malz.
- Ich vermeide direkte Sonne und damit verbundene Sonnenbäder.Ich bleibe bleich. Weiss wie Schnee.
- Ich friere selten.
- Ich habe mich über den Schnee gefreut.

Doch genau als Frau Holle ihre himmlischen Grüsse sanft herabschweben liess, meldete sich vom Untergeschoss her der schmerzliche Besuch von Tante Rosa an. Ich bin eine Frau. Schneewittchen. Danke, Danke, oh Mutter Natur, Maria, Madonna, Patcha Mama, dass du elende, alte Verräterin mir mein Frausein ausgerechnet auf diese Art in Erinnerung rufen musst!

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Die Hexe hat geschossen

Die Jüngste bin ich nicht mehr. Und, was viel wichtiger ist, ich bin kein Leichtgewicht. Kombiniert mit meiner schwachen Rückenmuskulatur, bin ich das gefundene Fressen für Weltverbesserer, welche die Menschheit gesünder, sportlicher, fitter, schlanker und schöner machen wollen. Die Jeansverkäuferin schaut mich mitleidig an und bringt mir eine Hose für Frauen in anderen Umständen. Der Fitnesstrainer will mir partout sein Rückentrainingsprogramm andrehen. Die Ernährungsberaterin erzählt mir, was ich sowieso schon weiss. Übergewichtige haben die Tendenz, weitaus besser über gesunde Ernährung und Kalorientabellen Bescheid zu wissen als ihre schlanken Artgenossen.

Am unbarmherzigsten jedoch ist die Hexxe, welche alle paar Monate mal wieder ihre schmerzhafte Botschaft abschiesst und dabei mal den Nacken, mal den Beckenbereich trifft.
Meist tut sie dies gerade dann, wenn ich mir vorgenommen habe, sportlicher, beweglicher, umtriebiger zu werden. Ein Schuss vor den Bug. Ein Warnschuss möglicherweise. Offenbar soll so verhindert werden, dass ich meinen guten Vorsätze Taten folgen lasse.
Mit verspannten Muskeln und elenden Schmerzen richte ich mich auf der Couch ein, ess einen Kübel Schokoladenpudding und sinniere über die Ungerechtigkeien des Lebens nach.
Wenn die Schmerzen vorbei sein werden, dann, ja dann, beginnt ein anderes Leben. Sicher. Jeden Morgen Sit- und Push-ups, fünf mal Gemüse und Früchte am Tag, kein Frustfressen, keine illegalen und legalen Drogen, mehr Sport, mehr Lebensfreude, mehr Sex. Versprochen. Wenn die Schmerzen vorbei sein werden. Villeicht Neujahr. Das ist sowieso die beste Zeit, für gute Vorsätze.

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2deutigkeiten

- In einem Zug von Zürich nach Lugano fahren. (Das geht auch mit dem Auto)
- Das Schloss aufschliessen (Macht der Schlossherr meist höchstpersönlich)

- Jemandem seine Rechte verweigern (und ihm dafür die Linke entgegenstrecken)

- Eine Schraube in die Mutter drehen (siehe Gemüse)

- Kurz einen Blick in den Papierkorb werfen (dort gehört er auch hin)

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Bild: http://www.zaubermuseum.de/verstecktebilder3c.htm

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Post von Patti: Liebe Emos

Liebe Emos

Dank Michèle Roten weiss nun die ganze Nation, dass ihr keine australischen Laufvögel seid und dass man euch kein Obst an den Kopf werfen sollte.
Jahrelang haben wir Pädagogen, Psychologinnen, Lehrer und Sozialarbeiterinnen für mehr Emotionen und Gefühle, für Kuschelpädagogik und diskursive Konfliktlösung gekämpft. Wir haben nackt im Regen unsere Aggressionen weggetanzt und unsere Wut aus dem Beckenboden ausgeatmet. Wir meditierten händchenhaltend und streichelten im Kollektiv negative Empfindungen weg. Wir appellierten im Musenalpexpress poetisch für das Recht des Mannes auf Schminke und das Recht der Frau auf spontane Depression.
Doch kaum sind wir durch PISA und Sylvia Blocher wieder zur autoritären Erziehung zurückgekehrt, kommt ihr mit so einer neuen Jugendbewegung daher und wollt alles besser machen. Mehr Emotionen, mehr Adrogynie, mehr Individualismus. Natürlich habt ihr auch eure eigene Jugendsprache. Die Zeiten von mega giga geil, krass konkret cool und voll easy sind endgültig vorbei. Das ist euch zu gönnen und mich freut’s auch schaurig.

Es gibt jedoch ein Tabu, das in Zeiten der internationalen Bildungsstandards nicht gebrochen werden dürfte: Die Vergewaltigung der Orthographie. Für Sprachpuristen ist dies überhaupt die allergrösste Sünde, und ihre Verusrsacher sind des Teufels!
Man shrayBt nun mal aynfaCh nicht zo! Auch niiijihicHT so, iiim fAll! oooder vlt zogar soHoo uund daz one die gaanzen shönen satzzaiKen die mir AiinfaAch fehlen zum besseren verständnijHiis.
Soziolinguisten haben sicher ihre wahre Freude dran. Doch bis die eure Sprache entdeckt haben, gibt es sie (wahrshainlich vlt) nicht mehr.
Im schlimmsten Fall bleibt uns Alten ja noch Grüfnisch oder alternativ die Spick-Geheimschrift.
Enefich wenefuenefensch Enefeenefuch enefallenefes Genefutenefe. Zsxexy Xiyzdn Ety txyzy xueyx Inyxan deyr!

Mit emotionalen Grüssen
Patti_on_pur


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Die postnatale Depression

… wird auch Wochenbettdepression genannt und hat mich voll erwischt. Ich könnte wochenlang nur noch im Bett liegen, auch wenn es damit wenig zu tun hat.
Postnatale Depressionen ereilen frischgebackene Mütter kurz nach der Niederkunft. Auch ich wurde eben entbunden. Nicht von einem Kind, aber von einer Liz-Prüfungsphase, die länger als eine Schwangerschaft und fast so schmerzhaft wie eine Zangengeburt war. Bezeichnen wir es als Kopfgeburt mit Steisslage.
Das Tragische: Es handelt sich noch nicht mal um meine eigenen Prüfungen. Der Bärtige hatte heute seine letzte Mündliche. Nun, das muss gefeiert werden.
Ich kochte ihm also Blaukraut mit Zitronenpfeffernudeln auf einem Zwiebelbett, dazu Äpfelschnitze und Rauchwürste. Er mags eben deftig.

Kaum war er zu Hause stürtze er sich in seinen Tarnanzug, schnallte die GTE (für Nicht-Dienstleister: so eine Art Gstältli mit vielen nützlichen Gadgets wie Pistole, irgendwelchen geheimnissvollen Behältern und sonstigem Ramsch) um, schlang das Essen hinunter, salutierte und verschwand per SBB irgendwo in die Berge.
Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Was macht man nicht alles für die Schweiz …
Und nun sitz ich hier. Nach langen Monaten mit Fernsehverbot, keiner Ausgangs-, aber zumindest Einladungssperre, Sexentzug und möglichst wenig unbelasteter Zweisamkeit hock ich zu Hause und sehe mich schon wieder nur mit mir selber konfrontiert.

Voraussichtlich hat der Bärtige Cum Laude abgeschlossen. Nachdem in meiner Familie jemand mit mit Magna Cum Laude, ein anderer mit absoluten Bestnoten und sehr schnell drauffolgendem Doktortitel und ein weiterer als Jahrgangsbester an der ETH (dotiert mit 5000.-) das Studium beendet hat.
Scheisse. Man kann sich nicht vorstellen, wie viel Druck das aufbaut. Es wäre ja geradezu peinlich, wenn ich nun so knapp genügend durchs Studium schlittern würde.
Ich reservier schon mal die Prüfungstermine im Sommer 2015. Bis dahin darf ich noch mit Liz abschliessen. Und schneller schaff ich ein Summa Cum Laude auf keinen Fall.

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sex sells

eine alte weisheit, die sich immer wieder aufs traurigste bewahrheitet. natürlich darf ich mich nicht höhnisch-distanziert darüber äussern. ich bin teil der maschinerie und spiele damit – einmal gekonnt, dann wieder ungeschickt und manchmal auch ganz einfach billig. trozdem bin ich manchmal wieder bass erstaunt, mit welchen suchbegriffen willige leser mein blog finden:
- geile männer mit grossem phallus
- fisting
- scharfe ne…(*rassistisches wort*) mit dicken schwänzen gesucht
- swingerclub
- oralsex
- sex mit der zahnärztin
- intimverkehr
- verstecktes leck mich am arsch
- mittelfinger im mund
- sex fussball euro 08
- pädophilie
- sex auf zehnarztstuhl
- sex im zug
- geile fussbälle
- geile bälle
- geile hells angels für wilde nacht
- zahnarztsex
- behaarte (*kosewort für kleine katze*)
- zicken im bett
die meistgesuchte wortkombination ist sex & zahnarzt. vielleicht sollte ich doch noch dental-medizin zu studieren beginnen. anscheinend lässt die vorstellung des vibrierenden zahnarzbohrers das blut pulsieren, bei männlein und weiblein!
ich würde es noch halbwegs begreifen, wenn es sich um eine google-suche handeln würde. doch es geht um ein blog in wordpress. da zählt, wie der name schon sagt, das gschriebene wort. offenbar vor allem das wort „sex“.

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Post von Patti: Lieber Geroge W. Bush

Lieber George W. Bush
Deine glorreichen Tage sind gezählt. Während sich Obama mit Deinem Botox-gesichtigen Kumpel Fernsehduelle liefert, könntest Du noch einmal in eine wahre Schlacht ziehen. Ein ruhmreicher Abgang; kein Schlusspunkt, nein, ein Ausrufezeichen wäre Dir sicher!
Die Finanzen sind im Keller und die Börse spürt die Gravitationskraft stärker als Deine Tränensäcke. Leider haben die paar Naturkatastrophen, das bisschen Terrorismus und Deine Kämpfereien im nahen Osten nicht gereicht, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Du solltest vor deinem präsidialen Abgang noch schwereres Geschütz auffahren.

Erklär Europa den Krieg! Diese aristorkratischen und bildungsbürgerlichen Schnösel mit ihrem latenten Anti-Ameriaknismus und ihrer historisch überfrachteten Arroganz hätten schon lange eine Abreibung verdient.

Ein lustiges Wettrüsten, milliardenschwere Investitionen in Verteidigungsmassnahmen, geistige Landesverteidigung in Form einer schon lange nötigen Bildungsexpansion wären die Folge beidseits des Atlantiks. Die Herausforderung, welche der Gegner Europa an die USA stellen würde, wäre auf jeden Fall grösser als diejenige einiger Islamisten aus einem bäuerlich geprägten Umfeld.

Im Übrigen wäre ein zünftiger Weltkrieg ein Grund mehr, Deinen Parteikollegen McCain mit seiner heldenhaften Aktiv-Dienst-Vergangenheit zu wählen. Derweil könnte Sarah Palin eine Fruchtbarkeitskampagne für zukünftiges Kanonenfutter starten. Als ultra-christliche, kreationistische fünffache Mutter stellt sie ein wunderbares Propaganda-Sujet dar. Da können nicht einmal die blondbezopften Plakat-Übermütter vom letzten Weltkrieg mithalten.

Die Schweiz würde natürlich neutral bleiben. So könnte sie Rüstungsmaterial auf alle Seiten liefern, das CERN könnte an einer neuen Atombombe herumtüfteln und die UBS würde bereitwillig ihre leeren Tresore für Kriegsgelder zur Verfügung stellen.

Es wäre allen gedient.

Ich hoffe, dass Dir das Wohl Deiner Partei, der Wirtschaft, Deines Lands und schliesslich das der ganzen Menschheit ebenso am Herzen liegt wie mir.

Mit feindlichen Grüssen
Patti_on_War

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Fragen an den US-Wahlkampf

- Warum bloss erinnert mich Sarah Palin an Monica Lewinsky? Kann sie wohl auch eine Zigarre quer in den Mund schieben und dazu nuscheln: „I didn’t inhale“?

- „Yes we can!“ ist das nicht der Slogan von Bob the Builder (Bob de Bouma)? Und passt „Can he fix it? Yes he can!“ nicht wunderbar zu Obama?

- Warum nur haben die Demokraten sich einen Kandidaten ausgesucht, dessen Name einem islamistischen Diktaor eines totalitären Nahost-Staates gehören könnte?

- Dürfte bei einem Sieg Obamas der Regierungssitz noch „The White House“ heissen?

- Sollten wir nicht alle UN-Beobachter aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten abziehen, damit sie die US-Wahlen beobachten können? Vor allem die in Florida. Dort könnten sie sich mit der Greenpeace zusammentun. Ganz nach dem Motto: „Schützt die Wahlen“.

- Ist es ein Zufall, dass die Wahlen kurz nach Halloween stattfinden? Damit wir uns schon mal an die grässlichen Fratzen gewöhnen können? Der eine Kandidat sieht aus, als trüge er eine Hitchcock-Gummimaske im Gesicht, der andere erinnert entfernt an Dumbo.

- Was bringen solche Fragen eigentlich?

(Bild: sweetcrack.wordpress.com/2008/09/27/the-aftermath-obama-vs-mccain-debate/

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Das Pro(st)seminar …

… heisst heute Kernmodul und wird vor allem der Credits wegen besucht. Ich für meinen Teil besuche Proseminare nur noch, wenn es unerlässlich ist. Ein wandelnder Anachronismus mit meinen 7, 8 Semestern und mindestens so vielen Seminararbeiten im Unirucksack. Wenn man mein Methusalter und mein (sogenanntes) Erststudium mitrechnet, so könnte ich ohne weiteres auch die Dozentin, statt die Rezipientin sein.
Ich sitz also im überfüllten Hörsaal:
Dozent: Sie sind ja nun quasi, hehe, frisch ab Presse, direkt von der Matur, jaja, so junge Gesichter, hehehe …
Ich (in Gedanken): Schön wärs, gopfnonmol, muss dringend mal wieder meine Haare färben gehen wegen der Grauhaarabdeckung, und grins nicht so blöd, ich könnt’ im Fall weder deine Tochter noch deine Geliebte sein, eher deine Ehefrau
D: Und natürlich haben Sie keine Ahnung von Disziplinen wie Wirtschaft, Psychologie, Soziologie, Kommunikation… Sie kennen ja nur die Schulfächer, hehehe…
I: Wir leben im 21. Jahrhundert. Sogar meinen Sek-Schülern lehr ich Kommunikationstheorien und Wirtschaftskunde. Apropos, shit, muss noch die Steuererklärung fertig machen
D: Deshalb sollte dieser Kurs dazu dienen, dass Sie sich überlegen können, ob Sie dieses Fach wirklich studieren wollen…
I: Irgendein Nebenfach muss ich ja wohl studieren, meinst du, ich änder das jetzt noch?
D: Und dann können Sie tatsächlich ein erstes Mal eine richtige wissenschaftliche Arbeit nach wissenschaftlichen Standards schreiben. Ohne zu plagiieren, versteht sich. Wissen Sie, was das ist, ein Plagiat? Abschreiben aus dem Netz beispielsweise. Damit hatten wir viele Probleme…
I: Mach hinne, Mann. Ich plagiiere noch nicht mal in meinem Blog. Man hat ja seinen Stolz. Solange ich davon überzeugt bin, dass eh niemand besser schreibt als ich selbst, käm ich wohl kaum auf die Idee… Daher bietet eine gewisse Arroganz durchaus auch einen Schutz vor solchen Peinlichkeiten.
D: Die Arbeit wird dann etwas sechs bis acht Seiten umfassen …
I: So lange ist doch normalerweise die Bibliographie?
D: Das Thema bekommen sie dann im Dezember, damit Sie während der Semesterferien …
I: Wie soll ich mit sechs Seiten die Semsterferien füllen? Eine Seite pro Woche?
D: Doch nun: Sagen Sie mir mal, weshalb Sie überhaupt diese Fach studieren wollen?
I: Bestimmt nicht, um solch doofe Fragen zu beantworten. Ich muss hier raus. Tschüss Sitznachbarin. Bis nächste Woche.
D: Ja, Sie da, Sie müssen nicht aufstehen. Hehehe, wir sind ja modern, nicht wahr. Sprechen sie ruhig. Nur frisch heraus, Sie müssen nicht nervös sein. Ich verstehe das, als Erstsemestrige sind Sie noch nicht gewohnt, vor Leuten zu sprechen … Nun sagen Sie, weshalb besuchen Sie diesen Kurs?
I (laut): Um ehrlich zu sein, stelle ich mir diese Frage auch. Die Antwort finde ich vielleicht bei einem Glas Bier. Ich geh dann mal. Prost.

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virtuelle masturbation


es ist unerhört unglaublich, was man heute so alles im netz bewerkstelligen kann. meine sozialen kontakte laufen über facebook, meine aufträge generiere ich über unterhalter.ch oder über meine homepage, meine anerkennung hole ich mir mit blog-schreiben, unterhaltung gibt’s auf youtube und wenn ich mal sex brauche… nunja, mehr varietäten und perversionen dieser schönsten nebensache gibt’s wahrscheinlich nirgendwo sonst. und alles gratis.

wir entwickeln uns zu einem volk von masturbierenden, sagt kolle, der niederländisch-deutsche aufklärungspionier.

wie wahr. wenn masturbieren als synonym für das ersetzen von interaktionen durch autonomes handeln verstanden wird, dann stimmt das bei mir völlig.
insofern masturbiere ich mich durchs studium, indem ich mir vorlesungsskripte von der institus-homepage und quellen von gutenberg herunterlade. sich einen runterholen gewinnt eine ganz neue dimension.
soll ja auch gut sein gegen langeweile, diese selbstbefriedigung. oder als ausweichmanöver, wenn man eigentlich wichtigeres zu tun hätte.
hier finde ich ebenfalls eine vollkommene analogie. ich onanier mir ein bisschen universitäres wissen rein, und das freiwillig. obwohl ich eigentlich eine aufgabe in meiner kernkompetenz zu erledigen hätte: dumm schnurre und damit geld verdienen.
mein comedy-programm, das in wenigen tagen stehen und eine kleine vorpremiere in geschlossener gesellschaft feiern sollte, klebt harzig zwischen den ganglien und den tasten.
möglicherweise eignen sich inhalte, welche für ein publikum bestimmt sind, einfach nicht für masturbation und sind deshalb äusserst unbefriedigend.
vielleicht sollte ich mal vor dem spiegel üben. das soll ungemein erregend sein. im falle eines comedy-programms ist es allerdings eher peinlich. vor allem für mich als fremdschämerin (geht auch beim eigenen spiegelbild).
dann doch lieber youtube.

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