Archiv für September, 2008

Ich hasse Haustiere

… oder deren sie vermenschlichenden Frauchen, Herrchen, Kindchen samt -schema. Oder die zuweilen etwas absurden zwischenmenschlich-tierischen Umgangsformen.

Hasi hat Fieber, Hilfe! Hasi ist ein Familienmitglied, wenn Hasi Fieber hat, dann setzen wir alle Flaggen auf Halbmast und können nicht mehr richtig arbeiten oder studieren. Und falls Hasi tatsächlich sterben sollte, kriegt Hasi ein wunderschönes, rührendes Begräbnis samt Tierurne!

Hundi will nur spielen! Hundi mag dich eben, sei doch froh! Freu dich doch, dass Hundi dir deine Nasenlöcher ausschleckt und seinen Sabber über dein Gesicht, deine Hände und deine Kleider verteilt. Hundi macht das nur bei Menschen, die er wirklich, wirklich mag! Hundi kann eben zuverlässig gute Menschen von schlechten unterscheiden. Wenn Hundi jemanden nicht mag, dann ist das ein sicheres Anzeichen. Mit solchen Menschen red’ ich gar nicht erst!

Büsi ist verschwunden! Schon ganze drei Stunden! Lieber Gott und alle Heiligen! Macht bitte, dass Büsi wieder zurückkommt. Bestimmt ist Büsi etwas ganz unvorstellbar Schreckliches zugestossen. Büsi kann nämlich nicht auf sich selbst aufpassen. Büsi braucht täglich Scheba und Streicheleinheiten. Neinnein, wir wären doch Rabenkatzeneltern, wenn wir Büsi auch einmal selbst nach Nahrung oder Liebespartnern suchen liessen. Nahrung und Liebe kriegt Büsi von uns schliesslich mehr als genug. Büsi darf nämlich auch mit ins Bett. Ins Doppelbett. Und wenn mein jeweiliger Sexualpartner das nicht versteht, und Büsi nicht mag, dann war’s wohl eh nix. Denn Büsi wird bei mir immer an erster Stelle stehen. Ach bitte, bitte, Büsi: Komm zurück. Wir vermissen dich ja so sehr!

Dobby wollte mich eben beschützen. Süsser kleiner Dobby. Dobermänner sind halt so, das ist ihre Natur. Du solltest halt auch nicht ins Büro reinkommen, wenn ich nicht drin bin. Da musst du einfach damit rechnen, dass Dobby dich anfällt. Er hat ja glücklicherweise knapp NEBEN der Halsschlagader vorbeigebissen. Ach, der gute Dobby. Eigentlich ist er ganz lieb. Aber ein bisschen stolz macht es mich schon, dass er mein Büro so gut bewacht.

Fifi hat Durchfall. Fifi muss kotzen. Fifi hat wohl das falsche Futter gekriegt. Dabei war ich doch bei Fressnapf und hab das extrem edle Edelfutter gekauft. Jetz ist meine Wohnung vollgekotzt und vollgeschissen. Aber das kann man ja putzen. Was ist so ein bisschen Scheisse schon gegen all die Liebe, die ich von Fifi bekomme? Denn Fifi versteht mich. Ja, ich bin sicher, Fifi ist viiiiel intelligenter, als Menschen. Das sieht man in Fifis Augen! Fifi und ich kommunizieren miteinander auf wunderbare Weise. Wir verstehen uns einfach. Tiere sind ja soo ehrlich. Nicht wie die Menschen, die nur lügen und betrügen. Von Tieren könnten wir soo viel lernen. Fifi ist einfach ein besserer Mensch.

Homo homini lupus est? Mag sein. Animal homini homo est? Auf jeden Fall. Artgerecht ist das nicht. Soviel steht fest.

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Wie hätte ich wohl ausgesehen


… hätt ich in den 50ern, 60ern oder 70ern gelebt? … wär ich mit dem anderen Geschlecht zur Welt gekommen? … wär ich ein Ami, hätte 1000 Klassenkameraden (durchaus üblich an High-Schools) und müsste mich deshalb in einem dieser behämmerten Year-Books verewigen?
All diese Fragen beantwortet yearbookyourself.com.

Leider hat das Ding Suchtpotenzial. Auf Facebook ist es jedenfalls der Renner. Für egozentrische, eitle Pfauen soweiso das Allerschönte: 50 mal ICH!












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zum semesterstart: studenten à la bolognese

studenten sind nicht mehr als ein brodelnder topf voller spaghetti bolognese. entweder sind sie lang, dünn, bleich und gottlos, wie eben besagte nudel. die spaghetti werden zu anwältinnen, juristen, ökonominnen oder möglicherweise medizinern. haben sie roh noch etwas rückgrat, werden sie spätestens im studium weichgekocht …
oder dann gibt es die ätherisch beissenden, die zwiebeln. mit einem hang zur depression bringen sie sich und ihr umfeld regelmässig zum heueln. die zwiebeln kleiden sich in viele schalen hüllender gewänder und gedeihen am soziologischen, am ethnologischen und am psychologischen institut am besten.
die roten tomaten mit dem grünen basilikummantel vermischen sich zur breiigen einheitspappe und überschwemmen die gesamte philosophische fakultät. auch sie sind, man bedenke den h2o-gehalt dieser paradies-äpfel, eher nah am wasser gabaut.
bleibt noch das hackfleich am knochen. minutiös durch den credits-fleischwolf gedreht, in exakt gleich grosse stücklein zerteilt, nährt es uns -nebst den spaghetti- am besten. das fleisch, exakt gemischt aus rind und schwein, kommt vornehmlich un der eth-mensa auf den tisch.
schliesslich sind da noch die kleinen scharfzüngigen pfefferkörner und das salz in der bologna-suppe. die gewürzmenage braucht in vielen fällen die lizenz zum scharf schiessen, aber auch in die bolognese verirren sich ihre geschütze. sie stammen aus publizistischen füller-patronen, verirren sich aber auch gerne in andere disziplinen.
am topf steht mamma alma und rührt kräftig. und sie bittet zu tisch, die nährende mutter. es ist angerichtet.

ich wünsche euch einen appetitlichen semesterstart! e guete!

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Conference put in a nutshell

Der Bärtige sitzt zu Hause, erbsenzählend

in der Geschichte. Im Mittelalter. Inmitten

Büchern. Lernend, lesend, den Stoff auswählend

zwischen „The Difference between Written

and Oral Law Making Tradition“

und „Schriftlichkeit in der Frühneuzeit“.

Gibt es da einen Unterschied dazwischen?

Das ist mir eigentlich egal, denn seit

vier Tagen weile ich an diesem Kongress.

Da geht es um Dewey und um Pragmatismus,

„Medernization, Education and Progress“.

Ein esotherischer Professor erzählt noch was von Magnetismus

und von den Nudisten, die einst hier weilten.

Da alles in englisch ist, war ich oft abgelenkt

auch weil nicht alle Speaker wirklich an den Speeches feilten.

Doch dem einen oder anderen hab ich meine Aufmerksamkeit geschenkt.


Im Übrigen hab ich viele Intellektuelle angetroffen:

Internationale Koriphäen in jeweils ihrer Fakultät.

Abends wird literweise Vino Rosso gesoffen,

und irgendwie verschwindet dann jegliche Intellektualität.

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Der Dreier

Etwas nervös warte ich auf morgen. Der Bärtige hat seinen 3-Night-Stand. Drei Tage, drei Nächte: Ein flotter Dreier. Schiller, Borchert und der Bärtige. Derweil ich Dienstmädchen spielen darf. Bücher schleppen, Kaffee kochen, tippen, korrigieren und dazwischen noch kurz arbeiten gehen. Jemand muss die Orgie schliesslich finanzieren.

Eigentlich hat der Bärtige eine Menge Freunde zum Fest geladen. Aber, um es mit Borchert auszudrücken: Nachts schlafen die Ratten doch. Und tagsüber müssen die wohl auch ihre Brötchen verdienen. An diesem Dienstag.
Die Räuber, die! Der Starke ist halt immer noch am mächtigsten allein. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob auch, wer Bart trägt, Freunde findet.
Die Zitate hätt ich also schon mal drauf. Läg mir nicht die eigene Seminararbeit auf dem Magen, würd ich mich fast freuen. An diesem Dienstag.

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